30.01.2021, 13:09
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BAG könnte Impfstoffe aus Iran holen

Teheran (IRNA) - Das BAG führt Gespräche mit Impfstoffanbietern aus nicht westlichen Staaten. Die Kandidaten kommen unter anderem aus Ägypten und dem Iran.

Pfizer kommt mit der Impfstoffproduktion nicht nach. Der Zulassungsprozess für das Vakzin von Astra Zeneca läuft schleppend. Im Ergebnis gibt es nicht genug Impfstoff gegen Covid-19, weder in Europa noch in der Schweiz.

Das ruft eine Vielzahl alternativer Firmen und Institutionen auf den Plan, die einen Covid-19-Impfstoff in der Entwicklung haben. Sie könnten das Wirksamkeitsspektrum erweitern und Lücken in der Lieferkette schliessen.

Insgesamt 237 listet die WHO auf, welche sich in klinischen und präklinischen Phasen befinden. Darunter veritable Exoten, von denen man bisher kaum etwas gehört hat.

Vakzin auf der Basis von Tabakpflanzen

Etwa das National Research Centre in Ägypten, die kasachische Agraruniversität, Helix Biogen in Nigeria, Bharat in Indien und diverse Institute in Iran. Sowie – zwar nicht geografisch, aber inhaltlich exotisch – einer der grössten Tabakkonzerne der Welt. Und auch eine Schweizer Firma ist dabei.

Der US-Biotech-Arm von British American Tobacco (BAT) steuert Mitte 2021 auf die klinische Phase II seines Covid-19-Vakzins auf Basis von Tabakpflanzen zu. Ein Impfstoff gegen einen Atemwegsinfekt ist nicht unbedingt das, was man von einem Zigarettenhersteller erwarten würde.

Es geht dabei um das Tabakmosaikvirus, ein inaktiviertes Pflanzenvirus, das Träger des Antigens gegen Sars-CoV-2 ist. Der Dialog mit den Regulierungsbehörden läuft, Vorgespräche mit Regierungen wurden geführt. «Unsere Produktionskapazitäten in Kentucky haben wir aufgestockt, um bis zu drei Millionen Dosen Antigen pro Woche herstellen zu können», sagt BAT-Schweiz-Chef Mads Larsen.

Das BAG bleibt vorerst konservativ und fokussiert auf die Stoffe von Big Pharma. Auf dem Radar hat BAG-Botschafterin Nora Kronig das Land Ägypten. «Ich könnte mir vorstellen, dass es von dort etwas in Sachen Impfstoff geben könnte», sagt die Leiterin Internationales.

Impfstoffforschung in Ägypten und Iran

Ägypten kann auf der Impfstoffforschung gegen eine nahöstliche Variante des Coronavirus (Mers) aufbauen und hat Forschungs- und Produktionsanlagen sämtlicher Pharmakonzerne im Land.

Kontakte pflegt das BAG aber auch mit Iran: «Mit dessen Gesundheitsbranche haben wir gute Beziehungen», so Kronig. Das System sei zentralistisch organisiert und daher gut für klinische Versuche und Datensammlungen gerüstet. Gleich fünf Institutionen in Iran finden sich auf der WHO-Liste seriöser Impfstoffkandidaten.

Um die 200 weitere internationale Kandidaten, welche die WHO als valabel einstuft, bleiben jedoch aussen vor. Weil man an einer möglichen Massenproduktion zweifelt, weil die Forschungsergebnisse nicht ausreichen oder weil die Datenlage nicht genügt. Meist fehlt es den Firmen am nötigen Geld für die kostenintensive klinische Schlussphase.

Dabei sind Grösse, Geld und Geografie kein Garant für den Erfolg. Das zeigt der jüngste Ausstieg von Merck: Der Pharmariese stoppte die Covid-19-Impfstoffentwicklung, die Immunantwort war zu gering.

Genau hier sehen die kleinen Impfstoffexoten ihre Chance. Helix Biogen in Nigeria etwa arbeitet an einem Impfstoff, der insbesondere bei neuen Coronavirusvarianten Wirkung zeige.

Gerangel um Ampullen: So impft die Welt

Russlands Impfstoff Sputnik V kommt in Mexiko, Bolivien, Paraguay und Venezuela zum Einsatz. China liefert Coronavac an die Türkei, Brasilien und Indonesien, Sinopharm nach Ägypten und in die Arabischen Emirate. In Indien wird Covaxin von Bharat Biotech verimpft.

Pfizer und Moderna liefern schon. Das BAG spricht mit zwanzig Kandidaten, zehn davon sind in der engeren Auswahl. Je nach Zulassung könnten Russland, China, die deutsche Curevac, Novavax (USA) und Janssen/J&J (Belgien) liefern.

«Unser Kandidat unterstützt das Immunsystem dabei, mit dem Virus infizierte Zellen zu zerstören», sagt Vakzinforscher Oladapo Kolawole. In Anspielung auf den Einsatz von Finanzmitteln sagt er in Richtung WHO, Regierungen und Big Pharma: «Der Erste zu sein, bedeutet nicht, der Beste zu sein.»

Das findet auch Martin Bachmann von Saiba Biotech im Kanton Schwyz. Die Firma arbeitet mit virusartigen Partikeln, wie sie gegen Hepatitis B zum Einsatz kommen. Im Vorjahr stand er mit dem BAG kurz vor einem Vertrag. Dann kam die Absage.

«Wir haben nie Verträge versprochen», kontert Kronig. Seitdem herrscht Funkstille. Jetzt geht Bachmann einen anderen Weg. Er wolle seinen Impfstoff vor allem ärmeren Ländern anbieten. Bachmann schmiedet eine Koalition mit indischen und chinesischen Firmen sowie in Brasilien, Ägypten und der Türkei.

Quelle: handelszeitung.ch

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