22.12.2019, 19:29
Journalist ID: 1787
News Code: 83604436
1 Persons
IAEA-Chef: Wir wedren dem Iran gegenüber bestimmt, aber fair sein

Teheran (IRNA) - Rafael Grossi, neuer Generaldirektor der Atomenergiebehörde, sagte am Samstag in einem Interview mit STANDARD, er wolle dem Iran gegenüber "bestimmt, aber fair" sein.

STANDARD: Sie sind seit Anfang des Monats IAEA-Generaldirektor. Wie wird sich Ihre Amtsführung von der Ihres verstorbenen Vorgängers Yukiya Amano unterscheiden?

Grossi: Ich habe sicher meinen eigenen Weg zu tun, was getan werden muss, möchte mich aber nicht mit meinem Vorgänger vergleichen. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass eine internationale Organisation im 21. Jahrhundert sehr offen, modern und dynamisch geführt werden muss.

STANDARD: "Bestimmt, aber fair", so haben Sie Ihren Ansatz im Umgang mit dem Iran beschrieben. Was genau meinen Sie damit?

Grossi: Wenn ich sage, ich möchte fair sein, dann habe ich keinerlei politische Agenda oder Mission. Ich muss neutral und wertfrei sein. Ich kenne das Gewicht, das die Berichte eines IAEA-Generaldirektors haben und was sie auslösen. Die Agentur hat viele Facetten. Aber was den Bereich der Atominspektionen angeht, sind wir nur Prüfer. Wir haben die Pflicht, mit Sorgfalt das zu tun, was das jeweilige Mandat uns vorschreibt. Wir werden bei unseren Inspektionen jeden einzelnen Stein umdrehen.

STANDARD: Im Iran-Report vom 11. November berichtet die IAEA von einem Fund von "Partikeln von Natururan anthropogenen Ursprungs" in einer nicht deklarierten Anlage nahe Teheran. Warten Sie noch immer auf eine Erklärung aus Teheran?

Grossi: Wir sind mit Teheran im Gespräch. Ein Inspektionsprozess sollte bestenfalls immer ein Dialog sein. Wir haben bisher noch nicht alle Informationen erhalten, um die wir gebeten haben, aber die Kanäle sind, wie gesagt, offen.

STANDARD: Wie lange wollen Sie Teheran Zeit geben, um alle Informationen zur Verfügung zu stellen?

Grossi: Diese Dinge sind höchst technisch, und die Analyse braucht Zeit. Wir arbeiten mit Laboren zusammen, wir haben sogenannte Blindtests. Wir müssen garantieren, dass der Prozess komplett fair ist und uns keine Fehler passieren. Gleichzeitig glaube ich nicht daran, dass man ewig im Dialog bleiben muss. Unsere Fragen an Teheran sind konkret und verlangen konkrete Antworten. Die Beantwortung sollte jedenfalls nicht Monate dauern.

STANDARD: Die Europäer sind hin- und hergerissen zwischen dem Versuch, den Iran-Deal (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) zu retten, und der Reaktion auf die Verstöße des Iran gegen den Deal. Ist der Deal noch zu retten?

Grossi: Mein Job ist es weder, den JCPOA zu retten, noch ihn zu zerstören. Es wäre unangemessen und destruktiv, wenn ich mich in die politische Arena werfe. Was für mich relevant ist, ist nur das Mandat. Die IAEA darf keine Szenarien zeichnen. Ich mag eine Meinung oder eine Überzeugung haben, aber für mich als Generaldirektor ist nur relevant, welche Informationen ich habe. Wenn ich innerhalb dieses Rahmens ein Problem sehe, werde ich meine Stimme erheben. Ich bin nur der "nuclear watchdog". Alles andere ist Sache der betroffenen Staaten und Politiker.

STANDARD: Können Sie zumindest eine neue Dynamik zwischen den Parteien vermitteln?

Grossi: Alle Player müssen das Gefühl haben, dass die IAEA ein konstruktiver Partner ist. Das liegt aber auch im Auge des Betrachters.

9461

Your Comment

You are replying to: .
9 + 0 =