08.06.2019, 15:49
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„Freunde erkennt man am besten in der Not“

Teheran, 8. Juni, IRNA - Helene Rang, Geschäftsführerin des Nah- und Mittelostvereins der deutschen Wirtschaft, empfiehlt deutschen Firmen, den Kontakt in den Iran zu halten.

Helene Rang, Geschäftsführerin des Nah- und Mittelostvereins der deutschen Wirtschaft, kritisiert die amerikanischen Sanktionen gegen Iran und den Druck auf deutsche Firmen. Sie empfiehlt, den Kontakt mit Iran zu halten.


WirtschaftsWoche: Der Konflikt zwischen den USA und Iran belastet die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen. Noch 60 deutsche Unternehmen sollen in Iran aktiv sein, vor den aktuellen Spannungen waren es doppelt so viele. Wie ist die Stimmung in den Unternehmen?
Helene Rang: Die Unternehmen sind völlig verunsichert. So schlimm war es noch nicht mal zu Zeiten, als die EU selbst Sanktionen gegen Iran verhängt hat. Die USA sind einseitig und völkerrechtswidrig aus dem Atom-Abkommen ausgestiegen. Der Iran konnte nachweisen, dass alle Auflagen, die sie unterschrieben hatten, erfüllt wurden. Große deutsche Firmen fürchten, ihr US-Geschäft zu verlieren, wenn sie weiter in Iran tätig sind. Sie haben sich komplett zurückgezogen. Vor Ort sind nur noch Mittelständler, die laufende Projekte abwickeln. Aber mit neuen Projekten halten sie sich zurück.


Der deutsch-iranische Handel wird vor allem dadurch fast unmöglich, dass Iraner ihre deutschen Geschäftspartner nicht bezahlen können. Kaum eine deutsche Bank nimmt noch Geld mit Iran-Bezug an. Wie bewerten Sie die Zweckgesellschaft Instex, die Deutschland, Frankreich und Großbritannien geschaffen haben, um den Zahlungsverkehr sicherzustellen?
Die drei Länder bearbeiten das schon sehr intensiv. Sie sind daran interessiert, dass das operativ wird. Aber man versucht auch gleichzeitig, mehr Länder dazuzugewinnen, dabei zu sein. Das ist aber nicht ganz einfach. Das ist kein Start-up, wo man mal eben mit dem Finger schnippt. Alles, was mit Zahlungsverkehr zu tun hat, bedarf bestimmter Kriterien. Auch Iran muss organisatorische Schritte einleiten – und befindet sich ebenfalls in einer Verpflichtungssituation.


Aus den Unternehmen hört man, dass der Aufbau von Instex viel zu lange dauert.
Die ersten drei, vier Monate sind in der Tat dafür genutzt worden, um eine Struktur zu schaffen. Um ein solches Instrument operativ zu machen, braucht es viele Mitarbeiter. Jetzt ist man so weit, erste Abwicklungen vorzunehmen. Ich finde sogar, dass das recht zügig gegangen ist.


Wie bewerten Sie das Vorgehen der Amerikaner in Deutschland? US-Botschafter Richard Grenell droht deutschen Firmen mit Konsequenzen, wenn sie in Iran Geschäfte machen.
Der Versuch, deutsche Firmen unter Druck zu setzen, geschieht mit unfairen Mitteln. Wie kann es sein, dass man sich von einem US-Botschafter in Deutschland vorschreiben lassen soll, was zu tun und zu lassen ist? Diese einseitige Hauruck-Politik berührt die Souveränität unseres Landes. Ich bin ein großer USA-Fan. Aber die gegenwärtige Vorgehensweise ist für die deutsche Wirtschaft inakzeptabel. Die deutsche Wirtschaft ist besonders von den Sanktionen getroffen: Iran war immer besonders an Geschäft mit Europa, insbesondere Deutschland, interessiert.


Was macht Iran als Standort für deutsche Unternehmen eigentlich so interessant?
Bereits bei der Gründung des Nah- und Mittelostvereins vor 85 Jahren stand Iran als Wirtschaftspartner in einem besonderen Fokus. Den Bonus hat Deutschland nach wie vor. Nach Ende der EU-Sanktionen hat VW 20.000 Golf in den Iran geschafft – die Autos waren binnen eines Tages verkauft. Heute ist VW nicht mehr in Iran. Die Iraner sind enttäuscht, dass die Handelsbeziehungen gerade stocken. Überall im Iran stehen deutsche Anlagen. Allerdings waren die Chinesen in den vergangenen 15 Jahren sehr erfolgreich – und haben sich als Handelspartner und Investor etabliert.

Sollten deutsche Unternehmen die Finger von Geschäften mit Iran lassen?
Man sollte den Kontakt zu Iran unbedingt weiter pflegen. Die Beziehung ist historisch gewachsen und sollte nicht von momentanen politischen Komplikationen abhängen. Nach dem Ende der EU-Sanktionen kamen 200 Wirtschaftsdelegationen aus Deutschland pro Jahr nach Iran. Als ich Ende des vergangenen Jahres da war, sind wir von allen Seiten herzlich empfangen worden, weil keiner mehr kam. Das bedaure ich wirklich sehr und sage, wir sollten unsere alten Kontakte pflegen, auch mit dem Hintergrund: Freunde erkennt man am besten in der Not.


Quelle: Wirtschaftswoche


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